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Können Psychedelika wirklich die Welt verändern?

Auf dem Weg zu psychedelischen Technologien

Übersetzt von Martin Gürster, editiert von Marvin Däumichen

Dieser Beitrag ist auch verfügbar auf: English English

David Dupuis, PhD

Social Anthropologist

David is a research fellow in the Laboratory of Social Anthropology at the College de France, Paris, and member of the Hearing the Voice program at the University of Durham.

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Editiert von Abigail Calder & Jared Parmer

 

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    Anstatt uns für einen verführerischen, aber engelsgleichen Ansatz zu entscheiden – Psychedelika als Substanzen zu sehen, die in der Lage sind, “die Welt zu heilen” – oder für einen repressiven Ansatz, der auf der Angst beruht, dass diese Substanzen zu Werkzeugen der “Gehirnwäsche” werden könnten, müssen wir anerkennen, was diese Substanzen in der großen Familie der psychotropen Substanzen einzigartig macht: Ihre große Empfindlichkeit für nicht-pharmakologische Faktoren. 

    Psychedelika: Werkzeuge für den sozialen Wandel oder Träger kultureller Übertragung?

    Kürzlich rief eine Mitbegründerin der Umweltbewegung Extinction Rebellion öffentlich zum “massenhaften psychedelischen Ungehorsam” auf. Auf der Konferenz Breaking Convention 2019, einer Versammlung internationaler Spezialisten für psychedelische Substanzen in London, sagte Dr. Gail Bradbrook:

    “Ich würde einen massenhaften zivilen Ungehorsam unterstützen, bei dem wir die Medizin (Psychedelika) einnehmen, um dem Staat zu sagen, dass er absolut kein Recht hat, unser Bewusstsein zu kontrollieren und unsere spirituelle Praxis zu bestimmen (…) Die Ursachen der Krise sind politische, wirtschaftliche, rechtliche und kulturelle systemische Probleme, darunter allerdings liegen Probleme menschlichen Traumas, der Ohnmacht, des Mangels und der Trennung. Das System liegt in uns selbst und psychedelische Medizin kann uns helfen, unser Bewusstsein zu verändern”.1

    Die Äußerungen der Umweltaktivistin spiegeln jüngste Interpretationen von Daten über psychedelische Substanzen wider, die darauf hindeuten, dass diese (LSD, aber auch Pflanzen wie Ayahuasca, meskalinhaltige Kaktusarten, Iboga oder verschiedene Arten von Psilocybe-Pilzen) das Umweltbewusstsein Konsumierender fördern können. Erhebungen in der Allgemeinbevölkerung deuten darauf hin, dass Erfahrungen mit psychedelischen Substanzen politische Ansichten und Einstellungen zur Natur verändern könnten.2 In einer kürzlich durchgeführten klinischen Studie mit Psilocybin3 erzielten TeilnehmerInnen nach der Anwendung höhere Werte in Fragebögen zur Messung von “Naturverbundenheit” und geringere Werte in autoritären Ansichten, wobei die Wirkung bis zu einem Jahr anhielt.

    Eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Studien deutet darauf hin, dass diese Substanzen umweltfreundliche Verhaltensweisen und “Biophilie” verstärken können.4 Dieser vom Biologen Dr. Edward Osborne Wilson vorgeschlagene Begriff bezieht sich auf die Neigung des Menschen, Beziehungen zu anderen Lebewesen zu suchen. Obwohl Menschen keine Psychedelika brauchen, um mit der Natur in Kontakt zu treten, beschreiben KonsumentInnen psychedelischer Substanzen häufig Gefühle von Verbundenheit mit der Natur als einen wichtigen Aspekt psychedelischer Erfahrung. In Anlehnung an die Forderungen der Gegenkultur der sechziger Jahre werden Psychedelika wieder als Mittel zur Transformation politischer Meinungen gesehen, die uns – so glauben einige – in die Lage versetzen würden, Herausforderungen unserer Zeit, insbesondere die ökologische Krise, zu bewältigen.

    So attraktiv sie in einer Welt, konfrontiert mit zunehmendem Nationalismus und unserer  kollektiven Unfähigkeit, die ökologische Krise zu bewältigen, erscheinen mögen, sollten Behauptungen, dass Psychedelika “die Welt heilen”5 können, mit großer Skepsis betrachtet werden. Erstens: Auch wenn psychedelische Aktivistinnen und Aktivisten seit den sechziger Jahren behaupten, dass ein verbreiteter Konsum von Psychedelika zu einer fortschrittlicheren Gesellschaft führen wird, gibt es viel zu viele Gegenbeispiele, als dass dies wirklich glaubhaft wäre.6 Um ein berüchtigtes Beispiel zu nennen: Der massive Konsum von LSD in der sektenartigen Gruppe um Charles Manson hinderte diese nicht daran, eine rassistische Ideologie zu entwickeln und Ende der sechziger Jahre gewalttätige Morde zu begehen, um einen “Rassenkrieg” zu beginnen.

    Zweitens sollten wir nicht erwarten, dass ein verbreiteter Konsum von Psychedelika Menschen automatisch umweltbewusster macht. Wie ich bei ethnografischen Untersuchungen im peruanischen Amazonasgebiet in den letzten zehn Jahren beobachtet habe, hindert der regelmäßige Konsum von Ayahuasca einige einheimische Schamanen-Unternehmer keineswegs daran, die von ihnen bewohnten Naturgebiete zu ihren ökonomischen Zwecken auszubeuten. Die Entwicklung des schamanischen Tourismus zeigte sich als mit der Förderung von Übertourismus im Amazonasgebiet verbunden und Aktivitäten der Aufnahmezentren für internationale Besucher haben oft zur Zerstörung oder zum Raubbau an natürlichen Lebensräumen geführt. Und obwohl “schamanische Touristinnen und Touristen” behaupten, durch die Teilnahme an psychedelischen Ritualen ein anderes Verhältnis zur Natur entwickelt zu haben, sprechen meine Beobachtungen eine andere Sprache. Langfristig hat ihre Teilnahme nur einen sehr schwachen Einfluss auf ihre Konsumgewohnheiten oder Produktionsweisen, mit denen verbunden sind, welche gelegentlich direkt und immer indirekt zur Zerstörung natürlicher Ressourcen beitragen. Viele von ihnen fliegen zum Beispiel weiterhin regelmäßig um an den psychedelischen Ritualen teilzunehmen, die in den schamanischen Zentren des peruanischen Amazonasgebietes angeboten werden. Diese Beobachtungen zeigen, dass Psychedelika zwar zu einem Gefühl der Verbundenheit mit der Natur führen können, diese Erfahrungen aber eher die von den Menschen selbst angegebene Verbundenheit mit der Natur beeinflussen, als dass sie zu einer wesentlichen Änderung des umweltfreundlichen Verhaltens führen.

    Diese Beispiele verdeutlichen, dass, obwohl Bestrebungen, Psychedelika zu legalisieren in jüngster Zeit mit zunehmendem wissenschaftlichen und öffentlichen Interesse an ihren therapeutischen Eigenschaften einhergehen, die “psychedelische Renaissance” trotzdem immer noch in einer Marktwirtschaft stattfindet. Dieser Punkt kann noch weiter untermauert werden, wenn man bedenkt, dass im Gegensatz zu den Hippies der sechziger Jahre, welche Psychedelika zu revolutionären Zwecken einsetzten, Führungskräfte im Silicon Valley heute Psychedelika in Mikrodosen konsumieren, um ihre Leistung, Kreativität und Produktivität in einem Umfeld starken beruflichen Wettbewerbs zu steigern.7

    Sicherlich wurde die Kommerzialisierung psychedelischer Substanzen von einigen führenden Persönlichkeiten der psychedelischen Bewegung angeprangert8, aber es gibt hier eine umfassendere Lehre zu ziehen. Statt als mächtige Werkzeuge für den sozialen Wandel erscheinen Psychedelika eher als unspezifische – und relativ neutrale – Verstärker bestehender kultureller Faktoren. Diese Beobachtungen deuten darauf hin, dass die Effekte von psychedelischer Erfahrung auf Naturverbundenheit als Widerspiegelung früherer Wertvorstellungen der StudienteilnehmerInnen (häufig euro-amerikanische Hochschulstudierende) interpretiert werden können. Unter diesem Gesichtspunkt könnten die angeblichen Effekte von Psychedelika auf unsere Beziehung zur Natur das Ergebnis einer Auswahlverzerrung sein, die an die bekannte systemische Verzerrung in der Durchführung psychologischer Studien mit Teilnehmenden aus “WEIRD”-Gesellschaften (westliche, entwickelte, industrialisierte, reiche und demokratische Gesellschaften) erinnert.9 Euro-amerikanische Hochschulstudierende, die den Großteil der TeilnehmerInnen an diesen Studien ausmachen, sind in der Tat dafür bekannt, dass sie in Bezug auf ihre selbst angegebenen Meinungen eine umweltfreundliche Tendenz haben. Psychedelika sind weit entfernt davon ein universelles Allheilmittel zur “Heilung der Welt”, sondern spiegeln oder verstärken scheinbar vielmehr die vorherrschenden Werte der Personen, die sie konsumieren.

    Diese Interpretation stimmt mit vergleichenden anthropologischen Studien überein, die zeigen, dass zwar einige Merkmale der durch Psychedelika ausgelösten Erfahrungen in allen Kulturen ähnlich sind (z. B. geometrische visuelle Halluzinationen), andere jedoch stark variieren. Das subjektive Empfinden, die Bedeutung oder der Inhalt der durch Psychedelika ausgelösten Halluzinationen stimmen in der Tat meist mit bestimmten kulturellen Erwartungen überein.10,11 Anthropologen, die diese Ähnlichkeiten innerhalb ein und derselben Kultur beobachten, haben folglich einen kulturalistischen Ansatz für psychedelische Erfahrungen verteidigt. Claude Lévi-Strauss12 beispielsweise schlug vor, Halluzinogene als “Auslöser und Verstärker eines latenten Diskurses zu betrachten, den jede Kultur in Reserve hält und dessen Ausarbeitung durch psychoaktive Substanzen ermöglicht oder erleichtert werden kann”.

    Aber wie genau formt Kultur halluzinatorische Inhalte? Einige Anthropologen schlagen vor, sich auf Mythen und Kosmologie, Verwandtschaftssysteme, Ikonographie oder Rituale zu konzentrieren, um zu verstehen, wie Kultur nicht-alltägliche Veränderungen der Wahrnehmung bestimmt. Ich habe vor kurzem ein Modell mit der Bezeichnung “Sozialisierung von Halluzinationen “13 vorgeschlagen, das versucht, die Art und Weise zu erklären, in der verbaler Austausch und soziale Interaktionen psychedelische Erfahrung formen, indem sie Aufmerksamkeit, Erwartungen und Wahrnehmung steuern. Diese Frage ist jedoch noch lange nicht geklärt, und es bleibt noch viel zu tun um die nicht-pharmakologischen Faktoren der psychedelischen Erfahrung zu erhellen.14,15

    Psychedelika Kulturvermittler: Ethische Fragen und politische Herausforderungen im Kontext der “psychedelischen Renaissance”

    Neben der Tatsache, dass psychedelische Substanzen stark kulturell geprägte Erfahrungen hervorrufen, haben sie noch eine weitere bemerkenswerte Eigenschaft: Viele Beobachter haben festgestellt, dass die psychedelische Erfahrung häufig von einem auffälligen Gefühl geprägt ist, unvermitteltes (orig.: unmediated) Wissen zu erlangen.16 Diese Erfahrung wird häufig als Offenbarung empfunden und ohne Bedürfnis nach externer Bestätigung oder weiterer Beweise angenommen.17 Da psychedelische Substanzen Erfahrungen hervorrufen, deren Inhalt stark von kultureller Prägung beeinflusst ist, kann die Einnahme psychedelischer Substanzen dazu führen, dass die in der eigenen Kultur vorherrschenden metaphysischen Aussagen bestätigt und als wahr erlebt werden. Ich bin der Überzeugung, dass diese beiden Eigenschaften halluzinogene Substanzen zu mächtigen potenziellen Vektoren kultureller Übertragung machen.

    Diese Beobachtungen können eine (teilweise) Erklärung für den Zustand erhöhter Suggestibilität bieten, in den Menschen durch halluzinogene Substanzen versetzt werden und der seit langem als eines der charakteristischen Merkmale psychedelischer Erfahrungen gilt.18,19 Wenn die therapeutische Wirksamkeit von der Suggestibilität abhängt, wirft dies ethische Bedenken hinsichtlich der Art des Einflusses auf, den Therapeuten, Schamanen und andere Behandler auf ihre Klienten haben, selbst wenn die Therapie gut verläuft.20 In einem kürzlich zusammen mit einigen Kollegen vom Imperial College Centre for Psychedelic Research verfassten Artikel argumentierten wir, dass diese Merkmale psychedelischer Erfahrungen ein “zweischneidiges Schwert” sein können.17 Während sie den therapeutischen Nutzen fördern, könnte die Fähigkeit von Psychedelika, Gefühle der Ehrfurcht und Offenbarung hervorzurufen, zu problematischen Auswirkungen führen wenn es keine ethischen Richtlinien gibt, die ihre Anwendung regulieren.

    Das Fehlen klarer ethischer Richtlinien zur Verwendung psychedelischer Substanzen den euro-amerikanischen Gesellschaften – im Gegensatz zu indigenen Gesellschaften, in denen die Verwendung häufig durch traditionelle Normen geregelt ist – scheint teilweise zu erklären, warum manche Substanzen in der Forschung wieder aufgegriffen wurden, obwohl sie in einigen Ländern vor nicht allzu langer Zeit erst verboten wurden. In Frankreich beispielsweise war das jüngste Verbot von Ayahuasca durch ernsthafte Bedenken der Regierung über die mögliche Verwendung des psychedelischen Gebräus in so genannten “Sekten”-Gruppen zum Zwecke der psychologischen Manipulation und “Gehirnwäsche “21 begründet. Über die Stichhaltigkeit dieser Bedenken lässt sich streiten, doch die Fähigkeit von Psychedelika, die angenommene Wahrhaftigkeit kultureller Aussagen und die Ehrfurcht vor den Vertreterinnen und Vertretern dieser Aussagen zu erhöhen, wirft ernste ethische Fragen auf, die sorgfältig geprüft werden müssen. Ein besseres Verständnis dafür, wie Kontext die halluzinogene Erfahrung beeinflusst, ist daher notwendig, um die für diese Substanzen spezifischen Risiken zu identifizieren und zu minimieren und letztlich die potenziellen positiven Effekte zu steigern.14

    Erforschung der Singularitäten halluzinogener Substanzen: Auf dem Weg zu psychedelischen Technologien

    Ohne die Tatsache zu leugnen, dass Psychedelika aufgrund ihrer neuropharmakologischen Eigenschaften ihre eigenen Wirkungen haben, bleibt die psychedelische Erfahrung stark von den Normen und Werten sozialen Gruppen Konsumierender geprägt. Anstatt uns für einen verführerischen, aber engelsgleichen Ansatz zu entscheiden – Psychedelika als Substanzen zu sehen, die in der Lage sind, “die Welt zu heilen” – oder für einen repressiven Ansatz, der auf der Angst beruht, dass diese Substanzen zu Werkzeugen der “Gehirnwäsche” werden könnten, müssen wir anerkennen, was diese Substanzen in der großen Familie der psychotropen Substanzen einzigartig macht: Ihre große Empfindlichkeit für nicht-pharmakologische Faktoren.

    Diese Berücksichtigung der besonderen Eigenschaften von Psychedelika bringt uns dazu, psychedelische Erfahrung als immer schon in eine kulturelle und soziale Dimension eingebettet zu betrachten, und eröffnet die Perspektive, “psychedelische Technologien” freizulegen. Als “psychedelische Technologien” bezeichne ich die einzigartigen sozialen Instrumente, die sich aus materiellen, diskursiven und interaktionellen Elementen zusammensetzen und die die Eigenschaft besitzen, die Erfahrung der Nutzer zu formen, unabhängig davon, ob sie bewusst zu diesem Zweck entwickelt wurden oder nicht. Seit dem vermehrten Aufkommen des Interesses westlicher Gesellschaften an psychedelischen Substanzen im 20. Jahrhundert sind insbesondere in den Vereinigten Staaten zahlreiche psychedelische Technologien entstanden.22 Institutionen und Einzelpersonen haben spezifische Instrumente für die Verwendung von Psychedelika zu psychiatrischen, militärischen, psychotherapeutischen, spirituellen oder politischen Zwecken, aber auch zur Entwicklung künstlerischer Kreativität oder technischer Innovation entwickelt. Für jeden dieser Verwendungszwecke wurden spezielle technische Hilfsmittel für die Verwendung von Psychedelika (d. h. psychedelische Technologien) erfunden, um die Wirkungen dieser Substanzen zu kontrollieren und zu lenken, damit sie einem bestimmten sozialen Zweck dienen.

    Die von Humphrey Osmond entwickelten psychiatrischen Hilfsmittel zur Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Alkoholmissbrauchsstörungen,23 die Experimente von Oscar Janiger mit den Künstlerinnen und Künstlern von Los Angeles24 oder die von der CIA im Rahmen des MK-Ultra-Projekts25 durchgeführten Experimente bieten somit ein Beispiel für drei Arten unterschiedlicher psychedelischer Technologien, die in den 1950er Jahren in Nordamerika rund um dieselbe Substanz entwickelt wurden: LSD.

    Klinische ForscherInnen arbeiten heute an der Entwicklung psychedelischer Technologien zur Behandlung psychischer Störungen. Die jüngste Welle der klinischen Forschung zu diesen Substanzen unterscheidet sich von derjenigen der 1950er Jahre insofern, dass der Bedeutung nicht-pharmakologischer Faktoren bei der psychedelischen Erfahrung große Aufmerksamkeit geschenkt wird.15 Da die gesetzlichen Einschränkungen für diese Substanzen in den Ländern des globalen Nordens nun langsam gelockert werden, könnte dies ein Beginn des Entstehens mehrerer psychedelischer Technologien sein.  Jüngste Arbeiten legen beispielsweise nahe, dass Psychedelika in Friedensprozessen im Zusammenhang mit soziopolitischen oder militärischen Konflikten eingesetzt werden könnten.26

    Dies eröffnet die Aussicht auf systematische Erforschung der nicht-pharmakologischen Faktoren in der psychedelischen Erfahrung, deren Zusammenstellung die “psychedelischen Technologien” ausmacht. Dies könnte es uns ermöglichen, besser zu verstehen, welcher spezifische Faktor einen bestimmten Aspekt der psychedelischen Erfahrung verändert und somit die Erfahrung und die anschließende Weltsicht des Konsumenten beeinflusst. Dieses verbesserte Verständnis der Dynamik psychedelischer Erfahrung könnte zur Entwicklung präziserer und wirksamerer psychedelischer Technologien führen.

    Die aufkommenden psychedelischen Technologien könnten diese Substanzen beispielsweise in den Dienst künstlerischer Praktiken stellen, aber auch in den Dienst ethisch fragwürdigerer Anwendungen, wie kommerzielle, politische oder militärische Zwecke. Angesichts hier skizzierten, bemerkenswerten Eigenschaften psychedelischer Subtanzen, muss die wissenschaftliche Gemeinschaft ebenso wie die Gemeinschaft der Psychedelika-Konsumierenden die sich abzeichnenden Verwendungsmöglichkeiten von Psychedelika und ihre ethischen Auswirkungen in naher Zukunft aufmerksam beobachten.

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    References
    1. Wong S. Extinction Rebellion founder calls for mass psychedelic disobedience. New Scientist. Available at: https://www.newscientist.com/article/2213787-extinction-rebellion-founder-calls-for-mass-psychedelic-disobedience/
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