• How we organize

  • Meeting us in person

  • How we organize - our committees

Eine Gruppe von 26 Wissenschaftlern und Unterstützern hat MIND – European Foundation for Psychedelic Science gegründet. Die Organisation wurde am 26. November 2016 in Berlin aus der Taufe gehoben und ging am 01. Februar mit einer Website online, die ihre Vision, Ziele und Arbeitsweise erläutert: www.mind-foundation.org. In den nächsten Monaten bauen die Mitglieder von MIND diese Plattform aus.
Mitglied der neuen Organisation können einerseits Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaftler werden, die sich für die Erforschung der psychedelischen Erfahrung interessieren, andererseits auch Unterstützer von Psychedelic Science. Es gibt eine Wissenschaftliche Mitgliedschaft, mit vielen Vorteilen für Forscher in jeder Karrierephase (Early Career Track). Daneben aber bieten wir auch eine Standardmitgliedschaft für Nicht-Wissenschaftler und Organisationen an.

Ziele

Im Mittelpunkt von MIND steht:

  • die wissenschaftlichen Grundlagen zur psychedelischen Erfahrung systematisch zu verbessern
  • dabei zu helfen, wirksame, sichere und legale Therapien und Kulturtechniken um die psychedelische Erfahrung herum zu entwickeln
  • den Wissensstand in der Öffentlichkeit zu verbessern sowie Projekte zur Schadensminimierung zu entwickeln und zu evaluieren

Vision

Die psychedelische Erfahrung als Instrument der persönlichen und gesellschaftlichen Entwicklung etablieren

Es geht darum, die Renaissance der Psychedelischen Wissenschaft in Europa und den USA zu unterstützen; bei deren Organisation zu helfen; Forschern in der Öffentlichkeit und in ihren Fakultäten den Rücken zu stärken sowie Sponsoren zu gewinnen, die Forschung auf akademischem Niveau ermöglichen. Das beinhaltet auch, Projekte zur Schadensminimierung im rekreationalen Bereich zu unterstützen. Praktisch geschieht das durch Konferenzen, Kolloquien, Summer Schools und gemeinsame Publikationen.

Die Kurzgeschichte von MIND

Die Gründung von MIND habe ich mit einer kleinen Gruppe von Wissenschaftlern, Studierenden und Präventionspraktikern initiiert, die aktuell auch den Vorstand bilden.
Wir arbeiten gut mit der von Rick Doblin gegründeten Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS) zusammen, die in den letzten Jahren entscheidende Impulse für die Erforschung der psychedelischen Erfahrung gesetzt hat – vor allem in der Traumabehandlung mit MDMA. Mit MIND beginnen wir 2017 bescheiden: im Mittelpunkt stehen Vernetzung und Mitgliederentwicklung, der Aufbau finanzieller Ressourcen und Vertrauen.

Es war in der Vergangenheit kompliziert, die doppelte Geschichte der psychedelischen Erfahrung zu erzählen: als positive Geschichte von Erneuerung und Therapie einerseits. Und als Geschichte von Krankheit und Konfusion andererseits. An Universitäten und überhaupt im öffentlichen Raum durfte sie über Jahrzehnte nur als Erzählung von Pathologie, Irrationalismus und moralischer Verfehlung geschrieben werden. Oder sie wurde in historisch ferne Zeiten edler religiöser Ekstasen phantasiert – einmal mehr mussten die Griechen dafür herhalten. Das therapeutische und erneuernde Potential einiger veränderter Bewusstseinszustände geriet in den diskursiven Schatten. Nachdem 1961 die Single Convention on Narcotic Drugs verabschiedet worden war begann das beispiellose Experiment der Globalisierung von Prohibition und der medialen Stigmatisierung – nicht nur von einigen psychoaktiven Substanzen, sondern auch des positiven Potentials einiger veränderter Wachbewusstseinszustände.  Was es nicht leichter machte, ist die inzwischen gut verstandene Beobachtung, dass langfristig positive Effekte tatsächlich stark von der soziokulturellen Einbettung abhängig sind – von Set-und-Setting. Das war für Natur- und Geisteswissenschaftler schwer zu verstehen, weil es aus dem mechanistischen Modell molekularer Effekte und aus dem geordneten Modell einer gut beschreibbaren Ideengeschichte herausfällt. Es greift eben unsere Vorstellung einfacher Rationalität an.

Als Studierender und Doktorand am Universitätsklinikum Heidelberg war ich Mitte der 1990er Jahre in Kontakt mit Mitgliedern des Europäischen Collegiums für Bewusstseinsstudien (ECBS) gekommen. Im Jahr 2008 habe ich im Rahmen eines DFG-Projekts den Sammelband „Therapie mit Psychoaktiven Substanzen“ herausgegeben (gemeinsam mit Peter Gasser, dem Präsidenten der Schweizerischen Ärztegesellschaft für Psycholytische Therapie (SÄPT), Rolf Verres, damals Ärztlicher Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Heidelberg und meinem Kollegen Jan Weinhold). In diesem Band haben wir uns damals noch recht theoretisch mit der Möglichkeit beschäftigt, psychotherapeutische Prozesse durch gezielte Sitzungen mit LSD, Psilocybin oder MDMA zu unterstützen. Das Buch soll 2018 völlig erneuert auflegt werden, denn seither sind aufregende Forschungsprojekte durchgeführt worden (für eine Zusammenfassung im psychotherapeutischen Bereich siehe unseren in Kürze erscheinenden Artikel in Fortschritte der Psychiatrie und Neurologie).

Im Gespräch mit Albert Hofmann auf der Rittimatte (2005)

Diese Psychotherapien waren und sollten bald wieder legal sein, zum Wohle hilfesuchenden Patienten eingesetzt werden, in nüchterner, nicht-esoterischer Gestalt, von gut ausgebildeten Therapeuten durchgeführt, die sich und den möglichen Größenwahn von “Heilern” (bzw. Gurukomplex) kennen  – und eben wissen, was sie tun. Geht das? Es gibt gute Evidenzen für den Einsatz solcher Substanzen in der Psychotherapie – nicht für alle, nicht immer und nicht zuerst. Aber unverzichtbar, um menschliches Leiden beispielsweise für Trauma und Angstpatienten und im Umfeld des drohenden Lebensendes zu lindern – und vielleicht am wichtigsten: um verantwortungsvolle persönliche und soziale Entwicklung zu ermöglichen.

Zwar habe ich mich in den letzten 10 Jahren hauptsächlich mit Prävention und Schadensminimierung beschäftigt, das Thema der psychedelischen Erfahrung habe ich allerdings nicht losgelassen. Zurecht, es gibt wenig Faszinierenderes.

Jenseits von psychoaktiven Substanzen

Viele Menschen assoziieren „psychedelisch“ mit derzeit illegalisierten Drogen wie LSD, Ayahuasca oder DMT. Das greift zu kurz. Es geht um eine wertvolle menschliche Erfahrungsweise und „Technologie des Selbst“. So nannte der französische Philosoph Michel Foucault, Methoden, durch die der Mensch an seiner eigenen Gestalt arbeitet. Neben sicheren und legalen Kontexten für pharmakologisch induzierte Erfahrungen, beschäftigen wir uns in MIND genauso mit nicht-pharmakologischen Auslösern veränderter Wachbewusstseinszustände (VWZ) – wie zum Beispiel mit dem immersiven Atmen. MIND führt die Tradition multidisziplinärer psychedelischer Forschung zu diesen Formen des Bewusstseins fort. Das erste durch MIND geförderte Forschungsprojekt (an der FU Berlin) dreht sich um die Phänomenologie von Zuständen, die mit vertieftem Atmen erreicht werden. Diese werden subjektiv, aber auch mit der Funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) gemessen.

Faszination, Ernüchterung, Realismus

Ein Wort zur Faszination scheint notwendig: das ist oft die erste Phase der Beschäftigung mit nicht-alltäglichen Bewusstseinszuständen. Wenn es gut geht, wenn also nicht der esoterische, der religiöse oder der selbstmedizierende Weg gewählt wird, folgt darauf irgendwann eine Phase der Ernüchterung und Enttäuschung. Und nach dieser der Realismus, aus dem heraus dann die entscheidenden Dinge geboren werden. Das kommt bekannt vor? Ja, viele „verlieben“ sich in die introspektiven, lustvollen, kontaktreichen, farbenfrohen und kreativitätsfördernden Zustände. Das ist von dem zu unterscheiden, wovon die meisten wiederum auch nur fantasieren: Abhängigkeit, Psychose, Konfusion und das ganze kulturelle Stigma, das diesen Zuständen immer noch angehängt wird – mehr aus Unwissenheit als aus Angst.

MIND ist eine Organisation, die sich nicht auf Grundlagenforschung oder Psychotherapie beschränkt, sondern die vielen Aspekte der psychedelischen Erfahrung zusammen denken, zusammen darstellen, mit einander in Verbindung bringen kann.

Psychedelic Science als Querschnittswissenschaft

Diagram of Drug Science disciplines in relation to Psychedelic Science, Henrik Jungaberle 2017

Psychedelic Science ist eine Querschnittswissenschaft, in der sich so unterschiedliche Disziplinen wie die Psychologie und Medizin, Pharmakologie und Neurowissenschaften, Sozial- und Kulturwissenschaften treffen. Der Begriff ist relativ neu und ähnlich wie Prevention Science oder Drug Science bezeichnet er den Versuch die kleinteilige Zersplitterung der Wissenschaften in einem Feld von Perspektiven zusammenzuführen – also über das multidisziplinäre Ignorieren und die Einmauerung in fachliche Methodentunnel hinauszukommen – Zusammenschau zu wagen.
Wichtiges Ziel einer Psychedelischen Wissenschaft ist es, den menschlichen Geist zu verstehen und zwar mittels der Untersuchung der psychedelischen Erfahrung und derer materieller Grundlagen – wenn man so will über den Umweg der psychedelischen Erfahrung. Damit ist ein außergewöhnlicher Zustand des Bewusstseins gemeint, genauer: eine Veränderung der Wahrnehmung, des Selbst- und Fremderleben. Es geht bei dieser “Erfahrung” nicht um Kopf- oder Urwaldkino, um unterhaltsame bunte Bilder, nicht um Betäubung oder nur um hedonistische Katharsis, nicht um Instant-Erleuchtungen – obwohl dies alles von einigen Menschen so gelebt und erlebt wird. Im Mittelpunkt steht vielmehr eine existentielle In-Frage-Stellung: Wer sind wir? Woher kommen wir, wohin gehen wir? Das alte Lied also, das auch schon einmal Religionen gebar, aber auch Poesie und Wissenschaft.

Ausblick

Im Jahr 2017 konzentrieren wir uns in MIND darauf, Mitglieder zu gewinnen und nützliche Programme für diese aufzubauen. Wir möchten damit beginnen, über den deutschen Sprachraum hinaus Kooperationen zu schließen und natürlich weitere Sponsoren ansprechen, die sich für die wissenschaftliche Erforschung psychedelischer Zustände interessieren, Zustände also, die im gelungenen Fall „den Geist offenbaren“ können.
Wir laden im September 2017 zu einer Konferenz an die Charité in Berlin ein, auf der MIND-Mitglieder einen der sechs wissenschaftlichen Tracks mitgestalten: auf der #DrugScience2017.
Und gerne begegnen wir allen Neugierigen und Skeptikern in den „Salons“, oder online und auf Konferenzen. Darum geht’s: die fundamentale Selbst-Bezogenheit zu verlassen, anderes kennen zu lernen, anders zu sein, um so besser zu sich selbst zu kommen.

“(…) Forscher gehen Risiken ein, weil sie oft von eingefleischten Traditionalisten attackiert werden, die sich nicht vorstellen können, dass die Wissenschaft über ihre eigenen Begrenzungen hnausschreiten könnte. Diese Menschen können sogar fanatische Gegner all dessen sein, was sich außerhalb des hergebrachten Denkens befindet. Manchmal kämpfen sie im Namen der Rationalität eigentlich gegen neue Ideen.“
Vaclav Havel am 05. Oktober 2007 in Prag bei der Verleihung des Preises der Stiftung VIZE97

Support our Vision with your Tax Deductible Donation!

Personal Info

Donation Total: 5,00€