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Demut, Neugier und Verantwortung:
Willy Schweitzer –
ein engagierter Europäer

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Willy Schweitzer

MIND & OVID Gesellschafter

Willy Schweitzer ist ein 1943 geborener ehemaliger Verlags- und Druckunternehmer aus Frankfurt.

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Dr. sc. hum. Henrik Jungaberle

Direktor der MIND Foundation

Dr. sc. hum. Henrik Jungaberle ist der geschäftsführender Direktor der MIND Foundation und Co-CEO von OVID Health Systems. Er ist Wissenschaftsunternehmer und Forscher in den Bereichen Public Health, psychoaktive Substanzen und Prävention.

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Editiert von Henrik Jungaberle

 

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    • Interview
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    • Juli 13, 2021
    • Europa
    • Europäisch
    • Humanismus
    • Spender
    • Transparenz
    • Unternehmertum
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    In der MIND Bioblog-Serie stellen wir Persönlichkeiten vor, die Einfluss auf die Entwicklung psychedelischer Therapie, Forschung sowie der Kultur im Umfeld der psychedelischen Erfahrung haben.

    Der bislang nicht öffentlich in Erscheinung getretene, ehemalige Unternehmer Willy Schweitzer ist Mitgesellschafter der MIND Familie. Willy Schweitzer ist einer der geistigen und finanziellen Förderer von MIND, ein faszinierender Mensch und tiefgründiger Freund.

    Das folgende Gespräch wirft einige biografische Schlaglichter auf den 1943 geborenen Europäer aus Überzeugung – und auf seine Motive, die Arbeit von MIND zu unterstützen. Das Gespräch zwischen Henrik Jungaberle und Willy Schweitzer fand am 25. Juni 2021 in Frankfurt statt und wurde gekürzt. Es ist Teil der Transparenzkultur unserer Organisation. Wir streifen biografische Motive für Willy Schweitzers erfolgreiche unternehmerische Tätigkeit, seiner Suche nach Selbsterkenntnis und Neugierde für innere Prozesse, die er in einer jahrelangen Jung‘schen Analyse vertieft hat. Außerdem sprechen wir über die Begegnung mit dem umstrittenen Schweizer Psychiater Samuel Widmer, der ebenfalls eine wichtige Rolle in der späteren Entwicklung von Willy Schweitzer und seinem Interesse für psychedelische Erfahrung gespielt hat.

    Henrik Jungaberle: Wie kam es dazu, dass du seit 2020 die MIND Familie unterstützt?

    Willy Schweitzer: Ich habe die MIND Foundation und dich, Henrik, über die Idee zu einer wissenschaftlichen Studie kennen gelernt. Diese war allerdings nicht mit dem vergleichbar, was wir heute gemeinsam mit dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim (Universität Heidelberg) und der Charité Berlin unter der Führung von Gerd Gründer tun (EPIsoDE Studie). Damals sollte es darum gehen, Erfahrungen von im Untergrund arbeitenden Therapeuten und deren Patienten zusammenzuführen und zu analysieren.

    Henrik Jungaberle: Genau – und in diesem Zusammenhang hatten wir uns das erste Mal in einer Videokonferenz kennen gelernt. Das war kurz nachdem ich selbst die Universität Heidelberg verlassen und mit anderen zusammen im November 2016 die MIND Foundation gegründet hatte. Bevor wir aber eine solche Studie wirklich beginnen wollten, habe ich den Mannheimer Psychiater und Lehrstuhlinhaber am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Prof. Dr. med. Gerhard Gründer, kennen gelernt. Dieser hatte gerade damit begonnen, einen Studienantrag für Psilocybin-unterstützte Behandlung therapieresistenter Depressionen beim BfArM und BMBF zu stellen.

    Aus heutiger Sicht bin ich sehr froh, dass wir eine solche Studie über Untergrundtherapie nie begonnen haben, denn wir hätten viel Energie in Interviews mit illegal arbeitenden Therapeuten und deren Klienten gesteckt, um eine Subkultur zu erforschen. Und danach wären wir einer Zulassung und einer ethisch sauberen, legalen Durchführung psychedelischer Therapien keinen Meter nähergekommen.

    Willy Schweitzer: Was mich am Ende überzeugt hat, mich zu engagieren, war die Seriosität, mit der die MIND-Gruppe gemeinsam mit Gerhard Gründer das Thema bearbeitet hat. Es war die wissenschaftliche Ausrichtung.
    Durch meine berufliche Tätigkeit als Unternehmer bin ich zu etwas Vermögen gekommen. Mit meiner Frau habe ich einige Jahre darüber nachgedacht, was ich nach der finanziellen Versorgung meiner Söhne und Enkel mit dem verbleibenden Vermögen Sinnvolles machen könnte. Denn das Leben hatte es gut mit mir gemeint und ich wollte wieder etwas zurückgeben. Wir haben über Stiftungen und Zustiftungen nachgedacht, ich habe mit dem Geschäftsführer des Stiftungsverbands kommuniziert und vieles mehr. Egal wie wir es gedreht haben, man hätte bei der heutigen Zinssituation und mit der Notwendigkeit dafür einen Geschäftsführer einzusetzen, kaum etwas für den Stiftungszweck übriggehabt.

    Henrik Jungaberle: Du warst einmal ein erfolgreicher Unternehmer. Wie bist du eigentlich zu deinem Vermögen gekommen?

    Willy Schweitzer: Ich hatte bereits früh eine erfolgreiche Vertriebsfirma im Druckereibereich gegründet. Nach der Trennung von meiner ersten Frau habe ich später auf einer Fachstudienreise durch Japan und China meine jetzige Frau kennen gelernt. Sie war damals verwitwet gewesen und besaß eine Druckerei, an der ich mich dann beteiligt habe. Wir haben diese um das Jahr 1989 erfolgreich mit einem neuen Gebäude erneuert. Später gründeten wir auch einen Zeitschriftenverlag. Aus Nachfolgegründen haben wir unsere Holding im Jahr 2008 aufgespalten: Ich habe den Zeitschriftenverlag und meine Frau die Druckerei übernommen. Im Jahr 2010 habe ich den Verlag verkauft, 2018 dann auch das Verlagsgebäude.

    Henrik Jungaberle: Was hätten andere Menschen damals gesagt, welche Eigenschaften und Fähigkeiten dich erfolgreich gemacht haben?

    Willy Schweitzer: Sie hätten wohl gesagt, „Willy Schweitzer war umtriebig, kreativ, fleißig und hat Tag und Nacht gearbeitet“. Ich war ein Antreiber – so wie du einer bist, Henrik, (beide lachen).
    Und dann kam noch etwas dazu – und zwar schon, bevor ich später in meinen Fünfzigern die psychedelischen Substanzen kennen lernte: ich konnte mit den schwierigsten Geschäftspartnern umgehen. Ich hatte wohl eine gute emotionale Intelligenz.

    Henrik Jungaberle: Was hat später dein Interesse für die psychedelischen Substanzen ausgelöst? Und was hat diese Lebensveränderung bewirkt?

    Willy Schweitzer: Ich muss etwas ausholen. Schon in jungen Jahren habe ich mich völlig überfordert: nachts gearbeitet und tagsüber meine Weiterbildung gemacht. Dann habe ich etwa mit 24 Jahren ein Burnout-Syndrom entwickelt – damals „vegetative Dystonie“ genannt. Durch einen halbjährigen Aufenthalt in einer psychotherapeutischen Klinik bin ich zur Jung‘schen Psychologie gekommen, habe dort meinen späteren Analytiker kennen gelernt, der auch Lehranalytiker und Supervisor war. Uns hat im Laufe der Zeit eine langjährige Freundschaft bis zu seinem Tod verbunden. Diese psychoanalytischen Erfahrungen haben es mir auch erleichtert mit schwierigen Persönlichkeiten im Geschäftsleben umzugehen.

    Henrik Jungaberle: Was hat dich von der Jungschen Psychoanalyse zur psychedelischen Erfahrung gebracht?

    Willy Schweitzer: Ich kam mit 53 Jahren an einen Punkt, an dem es nicht mehr weiterging. Ich habe mich im Kreis gedreht, nachdem ich jahrzehntelang mit großem Interesse diesen analytischen Weg gegangen bin – und ich habe es mir auch gegönnt, dafür ein kleines Vermögen auszugeben. Ich war neugierig und leidenschaftlich an inneren Prozessen interessiert.
    Und in dieser Phase des Stillstands hat mir mein Analytiker den Weg zu den Substanzen gezeigt. Er war selbst erst einige Zeit zuvor mit dieser Erfahrung in Berührung gekommen. Und dieser Fingerzeig hat mir dann das Tor zur Spiritualität geöffnet – wie ein Tsunami. Ich hatte vorher keinen Zugang zu diesem Phänomen und habe den Sinn meines Lebens mehr oder weniger in Erfolg und Geld gesehen.

    Ich habe damals eine Öffnung erlebt und andere Dimensionen des Denkens, des Bewusstseins und der Sicht auf die Welt entwickelt,

    Henrik Jungaberle: Was war danach konkret anders?

    Willy Schweitzer: Mich hat dann plötzlich die Firmenkultur, das Miteinander und die Einstellung zu den Menschen viel mehr interessiert. Man könnte es eine größere Verbundenheit nennen, nachdem ich eindrücklich gesehen habe, dass „alles Eins ist“ – das ist eine Erfahrung die auch in der heutigen psychedelischen Forschung mit Connectedness beschrieben worden ist.

    Henrik Jungaberle: Was war deine erste Substanzerfahrung?

    Willy Schweitzer: Die erste Erfahrung habe ich mit MDMA, zusammen mit meinem Analytiker und Lehrer, sowie mit seiner Frau gemacht.

    Henrik Jungaberle: Ist es dir am Anfang schwergefallen, dich auf diese Erfahrung einzulassen?

    Willy Schweitzer: Ja, ich habe lange gebraucht, bis ich innerlich zugestimmt habe. Es ist mir tatsächlich schwergefallen. Ich hatte auch eine gewisse Angst davor. Nach dem Einstieg mit MDMA folgten mehrere Sitzungen mit jeweils 300 µg LSD bei meinem Analytiker und seiner Frau. Genauso wie es der tschechische Psychiater Stan Grof in seinen Büchern beschrieben hat, habe ich mein Geburtstrauma wiedererlebt. Ich hatte dramatische Todes- und Sterbeerfahrungen. Aus heutiger Sicht waren das gute Erfahrungen – schwierig und hart, mit viel Todesangst, aber eben auch gut, weil meine Angst sich dadurch auflöste.
    Nach etwa zwei Jahren hat mir mein Analytiker dann empfohlen, Samuel Widmer aufzusuchen. Das war dann auch das Ende meiner Analyse – kein Abschieben, sondern eine Weiterentwicklung, ein nächster Schritt. Er hatte wohl gesehen, dass ich das Potential hatte, noch mehr zu lernen und bei ihm an eine Grenze gelangt war.

    Henrik Jungaberle: Was an Samuel Widmer hat dich inspiriert?

    Willy Schweitzer: Zunächst muss ich sagen, dass ich nicht ein „Jünger“ war. Nein, ich habe ihn als jemanden gesehen, der von den Menschen, die ich kenne, die größte Bewusstseinsbandbreite und Tiefe besaß. Anders als so manche andere hatte ich kein Autoritätsproblem mit ihm. Ich habe ihn einfach mit seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit und seinem weiten Geist anerkannt und sehr geschätzt. Er war schon etwas ganz Besonderes. Es ist mir zwar nicht immer ganz gelungen, aber ich habe versucht ihm in seinen Gedanken und Äußerungen zu folgen. Ich konnte viel von ihm lernen und meine eigene Spiritualität erweitern, und dafür bin ich ihm sehr dankbar.

    Henrik Jungaberle: Heute wird in der deutschen Medienlandschaft sehr negativ über die von Samuel Widmer gegründete Kirschblütengemeinschaft berichtet. Wie kam es aus deiner Sicht dazu, dass diese negativen Berichterstattungen entstanden sind?

    Willy Schweitzer: Samuel Widmer hatte sich vorgenommen, sich mit allen wahrgenommen Tabus zu beschäftigen und sie in der Tiefe zu erforschen und ergründen. Das hat zu Missverständnissen und üblen Nachreden geführt. Er war, so wie ich ihn kennen gelernt habe, ein integrer Mensch und spiritueller Lehrer mit unbeugsamer Haltung.

    Mit der Zeit ist die Gemeinschaft um Samuel Widmer herum, als Kristallisationspunkt, gewachsen. Es kamen viele Deutsche dazu, die in einem etwas konservativen Schweizer Dorf Fremde waren. Die Einheimischen haben sich vielleicht überrollt gefühlt und es gab Mobbing. Die äußere Feindschaft hat die Gemeinschaft dann zusätzlich zusammengeschweißt. Samuel Widmer hat durch seine starke Persönlichkeit und seine Haltung natürlich etwas dazu beigetragen. Er war das Gegenteil eines Anpassers und hat beharrlich „sein Ding gemacht“.

    Henrik Jungaberle: Widmer schien zu glauben, dass Regeln, die für alle Psychotherapeuten gelten, für ihn nicht gelten – insbesondere in der therapeutischen Abstinenz. Von den ihm nahen Kolleg:innen wurde ihm nicht oder zu kleinlaut widersprochen. Außerdem benutzte er eine Sprache, die andere Psychotherapeuten zu Recht gegen ihn aufbrachte – er meinte zum Beispiel “echte Psychotherapie” zu machen. Er spielt keine Rolle in der aktuellen psychedelischen Therapie.
    Heute forschen namhafte Universitäten in der ganzen Welt zu psychedelischen Therapien. Wie wünschst du dir die psychedelische Therapie der Zukunft?

    Willy Schweitzer: Zunächst einmal soll sie aus der Illegalität herauskommen und allen Menschen, die sie benötigen, zur Verfügung stehen. Es wäre schön, wenn die ganze Menschheit, die Erfahrungen, die ich gemacht habe, auch machen könnte.

    Henrik Jungaberle: Gibt es Eigenschaften der psychedelischen Therapie, die es im Vergleich mit der Psychoanalyse schwieriger machen, sie zu einem normalen Teil der Gesellschaft zu entwickeln?

    Willy Schweitzer: Ja, sicher. Die Psychoanalyse funktioniert hauptsächlich über den Intellekt. Aber die psychedelischen Substanzen gehen darüber hinaus, weil sie mit der Unausweichlichkeit konfrontieren. Sie zwingen Menschen dazu, sich mit dem zu befassen, was sie ansonsten verdrängen und nicht wahrhaben wollen. Aus meiner Sicht ist das auch der Grund, warum man mit diesen Substanzen in der Selbsterkenntnis weiterkommen kann, als mit der Psychoanalyse.

    Henrik Jungaberle: Ist die psychedelische Therapie etwas für jeden oder nur für bestimmte Menschen?

    Willy Schweitzer: Ich glaube, nicht für jeden. Bis heute weiß man noch nicht, warum diese Erfahrungen einige Menschen in die Spiritualität und in mystische Erfahrungen führen, andere aber stehen bleiben.

    Henrik Jungaberle: Du bist heute 78 Jahre alt und hast seit etwa 25 Jahren Erfahrungen mit verschiedenen psychedelischen Substanzen gemacht. Dabei hast du viele Menschen gesehen, die diese Erfahrungen ebenfalls gemacht haben. Welche Menschen haben hier etwas gelernt und welche eher nicht?

    Willy Schweitzer: Einige kreisen immer um dasselbe Thema herum, sie gehen nicht weiter, bleiben über Jahre stehen. Andere machen zum Teil dramatische Durchbrüche in andere Bewusstseinsdimensionen. Vielleicht liegt ein Teil der Unterschiede auch an den Grundlagen des Gehirns.

    Henrik Jungaberle: Gibt es einen Platz für psychedelische Erfahrungen außerhalb von Therapie? War alles, was du selbst in deinem Leben mit den Substanzen gemacht hast, Therapie – oder war das einfach ein persönlicher Entwicklungsprozess?

    Willy Schweitzer: Es war die leidenschaftliche Suche nach Selbsterkenntnis und persönlicher Entwicklung: „Wer bin ich?“

    Henrik Jungaberle: Wird es in der Zukunft einen Platz für psychedelische Erfahrung außerhalb einer streng definierten Psychotherapie geben?

    Willy Schweitzer: Ich denke schon. Ich wünsche mir, dass jeder, der sie braucht und möchte, Zugang zu dieser Erfahrung haben sollte.

    Henrik Jungaberle: Was wird unter den Bedingungen von Legalität anders sein mit den psychedelischen Substanzen?

    Willy Schweitzer: Das Unheimliche, das klischeehaft Drogenartige und unterstellte Missbräuchliche wird sich verlieren. Sie werden den Nimbus des Schrecklichen und Verbotenen ablegen und als hilfreiche Medikamente anerkannt werden.

    Henrik Jungaberle: Welche dunklen Seiten der Auseinandersetzung mit psychedelischen Substanzen hast du in deiner 25-jährigen Erfahrung erlebt?

    Willy Schweitzer: Es gibt Menschen, die mit dem, was sie durch diese Substanzen erfahren, nicht umgehen können. Für manche gibt es Überforderung bis zur Psychiatrisierung durch Psychose, weil sie die dämonische- und die Schattenseite des eigenen Ichs nicht integrieren können, nicht akzeptieren wollen.

    Henrik Jungaberle: Ist es wichtig, dass diese Erfahrungen in einer reifen Gemeinschaft geschehen können?

    Willy Schweitzer: Das ist sehr wichtig. Menschen dürfen nicht allein gelassen werden mit ihren Erfahrungen.

    Henrik Jungaberle: Was ist deine Haltung zu religiösen Gemeinschaften um Psychedelika herum (z.B. im Rahmen von Ayahuasca-Gemeinden)?

    Willy Schweitzer: Es gibt noch einige alte Kulturen, in denen diese Substanzen in Rituale eingebettet sind und für psychische Gesundheit und Gemeinschaftserleben sorgen. Aber wenn diese „kolonialisiert“ werden und eine Religion daraus gemacht wird, löst das bei mir Skepsis aus.

    Henrik Jungaberle: Was ist die Rolle heutiger Therapeuten, die legal mit Psychedelika arbeiten oder arbeiten werden?

    Willy Schweitzer: Es geht wahrscheinlich darum, Kräfte, die im Einzelnen schlummern, zu wecken und zur Entfaltung kommen zu lassen.

    Henrik Jungaberle: Kann man Menschen in psychedelischen Räumen führen?

    Willy Schweitzer: Natürlich: durch aufmerksame Präsenz, Empathie, Musik, Kontakt, Beziehung, Ansprache, Handhalten, Vertrauen und Unerschrockenheit.

    Henrik Jungaberle: Wir saßen gestern mit einem mittelständischen Pharmaunternehmen zusammen, das psychedelische Substanzen mit unseren Organisationen zusammen entwickeln möchte. Wie betrachtest du solche Bestrebungen?

    Willy Schweitzer: Dahin muss die Entwicklung gehen, das liegt mir am Herzen. Weg von der Straße, weg von der Illegalität und damit Kriminalität, und weg vom Zugang nur für einen kleinen Kreis von Menschen. Der Segen, der in diesen Substanzen steckt, kann nur aus der Mitte der Gesellschaft heraus allen zuteilwerden, die ihn suchen und benötigen.

    Henrik Jungaberle: Willy, du bezeichnest dich als leidenschaftlichen Europäer. Gibt es eine Verbindung zwischen dem, was du mit den psychedelischen Substanzen erfahren hast und nun auch förderst und deiner europäischen Identität?

    Willy Schweitzer: Ganz sicher! Und zwar die Öffnung für das Große und Ganze, Gemeinschaft, Zusammenhalt, Miteinander, Frieden, Großzügigkeit, Toleranz. Ich habe mich gleich von Beginn an für „Pulse of Europe“ engagiert.

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