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Heimat, Abschied und Wiederkehr

Albert Hofmann im Gespräch mit Rolf Verres – MIND Podcast (Episode 1)

Dr. sc. hum. Henrik Jungaberle

Direktor der MIND Foundation

Dr. sc. hum. Henrik Jungaberle ist der geschäftsführender Direktor der MIND Foundation und Co-CEO von OVID Health Systems. Er ist Wissenschaftsunternehmer und Forscher in den Bereichen Public Health, psychoaktive Substanzen und Prävention.

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    • Dezember 22, 2020
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    Albert Hofmann im Gespräch mit Rolf Verres – MIND Podcast 1

    Eine Inhaltsangabe zum Springen in der Podcast-Audiodatei findet sich am Ende dieses Blogposts. Wir optimieren die Podcast-Technologie auf unserer Website im Januar 2021.

    “Dans les champs de l’observation le hasard ne favorise que les esprits prepares.”
    Louis Pasteur

    Zum Ausklang des Jahres 2020 möchten wir von der MIND Foundation eine kleine Überraschung präsentieren. Sie besteht aus einem bislang unveröffentlichten Gespräch mit Albert Hofmann, dem im Alter von 102 Jahren 2008 verstorbenen Entdecker des LSD.1 Das Gespräch wurde von Hofmanns langjährigem Freund, dem Medizinpsychologen Prof. Dr. Rolf Verres am 3. August 2005 geführt. Hofmann spricht über seine Jugend und seinen Weg in die Wissenschaft, die unerwartete Entdeckung des LSD und einige der darauf folgenden Konsequenzen und Ereignisse sowie die späteren Jahre nach seiner Pensionierung. Das von Selina Heuser und David Quintern redaktionell bearbeitete Gespräch zeugt vom erstaunlichen Werdegang eines Schweizer Chemikers, der wissenschaftsgeschichtliche und historische Ereignisse auslöste, die bis in unsere Zeit hineinwirken.

    Im Dezember des Jahres 2020 scheint es so, dass Hofmanns Traum, einer medizinischen Nutzung der von ihm synthetisierten Substanzen LSD und Psilocybin in Erfüllung gehen könnte.2 Nach den Wirren der jugendkulturellen Auseinandersetzung mit Psychedelika in den 1960ern waren die Vertreter dieser Substanzklasse voreilig in die gefährlichste Stufe der internationalen Betäubungsmittelklassifizierung eingeordnet worden.3 Wir wissen heute, dass dies ein Irrtum war, der in den nächsten Jahren korrigiert werden kann. In hochrangigen wissenschaftlichen Journals werden seit den 2010er-Jahren Studienergebnisse veröffentlicht, die eine Wirksamkeit psychedelisch-unterstützter Behandlungen vor allem bei Depression belegen.2 Falls die bereits anlaufenden Phase III-Studien ebenso erfolgreich sein werden wie die Ergebnisse der Phase II-Studien, können Psychedelika als weitere Substanzklasse in den Methodenkoffer von Psychiatrie und Psychotherapie aufgenommen werden.

    Mein Name ist Henrik Jungaberle. Ich bin einer der Gründer und der Direktor der gemeinnützigen MIND Foundation, die sich in Europa um die wissenschaftliche Erforschung psychedelischer Zustände, psychedelischer Medizin und Bewusstseinskultur kümmert. Wir helfen dabei, die wissenschaftliche, materielle und kulturelle Infrastruktur für psychedelisch-unterstützte Medizin und Bewusstseinskultur aufzubauen.

    Es ist bedeutsam, den Werdegang von Menschen, die im Laufe ihres Lebens Psychedelika begegnet sind, aus der Perspektive eines ganzen Lebens zu verstehen – nicht auf der Grundlage einzelner (psychedelischer) Erfahrungen. Diese Lebenslauf-Perspektive entfaltet sich hier an einer der Quellen: der Biografie von Albert Hofmann, dem Chemiker, der zum „begeisterten“ Naturphilosophen und Spaziergänger im Garten seines Hauses auf der “Rittematte” südlich von Basel wurde. Er hat diesen selbst als „das Paradies“ bezeichnet und damit seinen eigenen „mystischen Materialismus“ oder seine „materialistischen Mystik“ auf den Punkt gebracht.

    Ich freue mich, dass mein ehemaliger Chef in 18 Jahren an der Medizinpsychologie des Universitätsklinikums Heidelberg, Rolf Verres, der eine intensive freundschaftliche Beziehung zu Albert Hofmann geführt hat, auch Teil des wissenschaftlichen Beirats der MIND Foundation ist.

    Wir hoffen, dass Sie das Gespräch zwischen Hofmann und Verres genauso genießen werden wie wir – und dass sowohl jüngere als auch ältere Hörer einen Einblick in den Werdegang dieses besonderen Menschen gewinnen, der ohne es zu beabsichtigen einen disruptiven Einfluss auf Kultur und Medizin hatte.

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    Quellen
    1. Hofmann A. 1971/2018. LSD – mein Sorgenkind. Klett-Cotta, Stuttgart, 7. Print
    2. Für Anfänger und mit dem Thema Vertraute stellen wir in der Ressourcen-Sektion der MIND Foundation kuratierte Leselisten bereit, die es ermöglichen, die neuesten Entwicklungen in der psychedelischen Forschung and auch öffentlichen Berichterstattung zum Thema zu verfolgen. Letzteres kann für Journalisten interessant sein, die sich dem Thema zum ersten Mal annähern.
    3. Von Heyden M, Jungaberle H. 2017. Psychedelika. In von Heyden M, Jungaberle M, Majic T (Eds.), Handbuch Psychoaktive Substanzen (1st ed.). Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-642-55214-4

     

    Gesprächsabschnitte zum Springen in der Audiodatei

    Interview: Albert Hofmann und Rolf Verres für das Buch “100 Jahre Albert Hofmann”
    Von Selina Heuser und David Quintern im Dezember 2020 redaktionell bearbeitet

     

    Kindheit und Schulzeit  

    01:28: Einleitung in das Interview über das Leben Hofmanns  

    04:07: Erzählungen von seinen Eltern und Geschwistern 

    06:26: Beschreibungen der Heimat 

    10:15: Die damaligen Zeiten „wie vor 2000 Jahren“ 

    12:05: Albert Hofmann’s Schulzeit 

    13:09Vaters Schwindsucht und „die Vertreibung aus dem Paradies“ 

    15:03Seine Freundschaften  

    15:33: Entscheidungen über Zukunft in der Bezirksschule  

    16:48: Kaufmännische Lehre  

    17:36: Entscheidung zur Weiterbildung bei der Minerva 

    18:38: Albert als „Überflieger“ mit Matura   

     

    Beruflicher Werdegang 

    20:18: Berufswahl und die Entscheidung zum Chemie Studium  

    22:18: Mysterium der Materie als Drang zur Chemie  

    25:18: Fleiß aus Liebe zum Studium  

    26:13: Materie als „mystisch“  

    27:03Doktorarbeit über Chitin bei Prof. Dr. Karrer und wie es dazu kam  

    31:08: Stellenwahl und Entscheidung für Sandoz aufgrund des Arbeitsprogramms der Struktur-aufklärung von pflanzlichen Arzneimitteln“ 

    34:41: Hingabe zur Forschung an Mutterkorn  

    38:38: LSD führte zur internationalen Bekanntheit Albert Hofmann’s  

    39:48: Erste wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Gordon und Schultes  

    41:52: Beziehung Stoll und Hofmann  

    43:38: LSD, psychotherapeutische Forschung, totales Verbot 

    45:27: Dialektik und „LSD meldet sich selbst“  

    52:47: Albert spricht von Stanislav Grof und seinen Ansichten 

    55:57: Albert Hofmann als Autor 

    57:59: Beleidigung durch Stoll: „Sie schmücken sich mit fremden Federn“ und dessen Streben nach Nobelpreis 

    01:00:34: Hippiebewegung und Hofmann als Verantwortlicher für „Teufelsdroge“ LSD und Konsequenzen 

    01:03:58: Verschiedene Versionen von „LSD mein Sorgenkind“, Alberts Ausflug nach Frankreich mit Ernst Jünger 

    01:08:02: Albert Hofmann, das Glück und Philosophie